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Auch Handwerker brauchen gute Logos!

Eine Woche hatte es gedauert – dann war Schornsteinfegermeister Carlo Virciglio Feuer und Flamme für sein Logo. Überzeugt hatten ihn Freunde und Bekannte, denen der freie Bezirksschornsteinfegermeister sein ungewöhnliches Logo mit Dach, rauchendem Schornstein und Katze vorgelegt hatte. Das war 2012, in dem Jahr, in dem der Monopolstatus seiner Branche fiel und sich jeder Haushalt von da an seinen Schornsteinfeger selbst aussuchen konnte. Virciglio mit dem selbst für Italiener schwer aussprechbaren Namen hatte daher ein möglichst einprägsames Logo gesucht.

„Es gibt klare Kriterien, die ein Logo erfüllen muss“, sagt Filippo Spadaro, Grafikdesigner aus Bad SodenSalmünster und Schöpfer des SchornsteinfegerCarloLogos (siehe dazu Kasten). „Wichtigster Punkt ist die Unverwechselbarkeit.“ Solch professionell gestaltete Logos bleiben im Gedächtnis und lassen komplette Bilder im Kopf des Betrachters entstehen. Das goldene „M“ der HamburgerKette, der weiße Schriftzug auf rotem Grund der braunen Brause oder der angebissene Apfel eines Computerherstellers – auch ohne Nennung des Namens weiß jeder, um welche Firma es geht.

Ein Logo schafft Strukturen

Das hilft auch Handwerkern: Im Zweifelsfall erinnern sich potenzielle Kunden an das Logo – und klopfen an die Tür. Weil es oft das Erste ist, was Mitmenschen etwa auf dem Kastenwagen des Unternehmens, einer Anzeige oder einem Flyer wahrnehmen, sollte es eine überzeugende, unverkennbare Firmenidentität widerspiegeln. „Es ist eine Entscheidungshilfe bei der Auftragsvergabe und sollte daher keinen unfertigen, unprofessionellen oder groben Eindruck hinterlassen.“ Aber auch intern hilft das Logo: „Es schafft Strukturen“, sagt der italienischstämmige Spadaro, der nach seinem Studium Erfahrungen in großen Agenturen gesammelt hat und dort maßgeblich an Kampagnen, Zeichnungen und der Entwicklung von Logos etwa für Zigarettenmarken oder Automarken beteiligt war. „Denn das Logo muss die Besonderheiten des Unternehmens herausarbeiten.“ Im Falle des Schornsteinfegermeisters arbeitete Spadaro mit den klassischen Erkennungsmerkmalen Dach und Schornstein, fügte aber mit der Katze im Signet eine Anspielung auf die MickyMausFigur Kater Karlo ein. Schließlich heißt der Schornsteinfeger Carlo mit Vornamen.

Weniger ist oft mehr

Die Entwicklung eines Logos braucht Zeit. In einem ersten Schritt muss der Designer das Unter nehmen kennenlernen, dessen Abläufe, dessen Spezialitäten und Besonderheiten. Dann gehört die kreative Idee dazu. Mit seinem Unternehmen Ganesha Design setzt sich Spadaro nach der Analyse seiner Auftraggeber mit seinen Partnern an einen Tisch, um Ideen zu diskutieren. So kristallisieren sich die notwendigen Elemente heraus, die der Grafiker zu einem Gesamtbild zusammenfügt. Auch dabei gilt, dass weniger oft mehr ist. Komplizierte Grafiken, überbordende Farben oder Kombinationen aus Bild und Wort, die mehr als nur einen Namenszug enthalten, sind wenig sinnstiftend, weil die Kernbotschaft, das Unternehmen selbst, untergeht. Zwei bekannten deutschen Sportmarken reichen zum Beispiel nur der Name und drei Balken beziehungsweise eine Tiersilhouette. Fünf farbige Ringe sind genug, um Olympia zu symbolisieren, bei vier silbernen Ringen erkennt nahezu jeder die Automarke.

Gestaltung ist ProfiSache!

Fest steht auch, dass Unternehmer die Gestaltung eines Logos Profis überlassen sollten. „Jeder Strich, jede Farbgebung, jedes eingesetzte Symbol hat eine ganz bestimmte Bedeutung“, erklärt der Designer. „Der Grafiker sollte schon gelernt haben, wie er mit der Symbolik und den Proportionen umgeht.“ Das ist natürlich nicht zum Nulltarif zu haben, aber wie im Handwerk auch gilt für die Designbranche, dass Qualität ihren Preis hat. Für Firmenchefs, die eine Investition ins Marketing scheuen, hat Spadaro einen Tipp: Die Mittel für ein Logo können Unternehmer zum Teil über InvestitionsFörderprogramme finanzieren.

Was muss ein Logo leisten? Hier die acht wichtigsten Tipps für Sie:

  1. Einprägsamkeit: Es muss schon auf den ersten Blick einfach und unverwechselbar sein, dann ist es einprägsamer.
  2. Unverwechselbarkeit: Es muss die Unverwechselbarkeit des Unternehmens herausstellen und darf keine Variante eines Wett bewerbers sein.
  3. Wahrhaftigkeit: Es muss die Unternehmenskultur und deren Philosophie/Werte repräsentieren.
  4. Anwendbarkeit: Es muss in unterschiedlichen Größen und auf unterschiedlichen Hintergründen funktionieren.
  5. Branchenzugehörigkeit: Die Farbwahl muss stimmen. Es gibt Farben, die bestimmten Gewerken zu geordnet werden, zum Beispiel blau bei SHK.
  6. Robustheit: Es muss auf unterschiedlichen Materialien wirken, vom Faxpapier über Stoff bis hin zu Plastik oder Metall für Werbegeschenke.
  7. Eindeutigkeit: Es muss auch ohne Worte auskommen können, um die Botschaft herüberzubringen.
  8. Zeitlosigkeit: Es muss von Moden unabhängig sein – ein Logo begleitet das Unternehmen über Jahrzehnte.

Artikel erschienen im Handwerksblatt (Ausgabe Dezember 2016); Text: Stefan Buhren; Fotos: Ulrich Schepp/Spadaro
Quelle: https://www.handwerksblatt.de/themen-specials/68-marketing-professionell-und-erfolgreich/5002010-auch-handwerker-brauchen-gute-logos.html?showall=1